Filmveröffentlichung - AUF EINEN BESUCH BEI HENRIK WINDSTEDT

Filmveröffentlichung - AUF EINEN BESUCH BEI HENRIK WINDSTEDT

„Geh aufs Ganze oder geh nach Hause“ – in vielen Sportarten mag das wie ein abgedroschenes Klischee wirken, doch in der Karriere des Skifahrers Henrik Windstedt war das wie ein Leitmotiv. Der World Junior Mogul Champ, World Freeride Champion und siebenmalige Gewinner der Scandinavian Big Mountain Championships ist mit den Jahren über so manche Klippen gesprungen und hat sich die Zeit genommen, uns einige Fragen über seine Lieblingsaspekte beim Skifahren zu beantworten.


Ist Klippenspringen etwas für jedermann?
Mehr oder weniger! Wenn man sich etwas herausfordern, sein Niveau steigern und eines der besten Gefühle der Welt herauskitzeln möchte, sollte man es mal versuchen. Wenn es am Berg viel weichen Schnee gibt, kann man sich einen kleinen Felsvorsprung suchen und es einmal probieren. Wenn man über kleinere Felsen springt, muss die Landung nicht perfekt sein – solange es weich genug ist, kann man auch mit der Hüfte landen.

Wo bist du zum ersten Mal über Klippen gesprungen?
Meine ersten Klippensprünge habe ich am Rödkullen in Åre (Schweden) gemacht, wo ich Skilaufen gelernt habe. Ich bin damals mit meinen Freunden abseits der Pisten zwischen den Bäumen unterwegs gewesen und wir haben Klippenspringen versucht, wenn die Bedingungen gut waren.

Was war die größte Klippe, über die du jemals herabgesprungen bist?
Die höchste senkrechte Wand lag zu Hause in Åre. Dort gibt einen Sprung, der „Högsta“ am Östra Ravin, der 15 bis 18 Meter hoch ist und bei dem die Sprunglänge bei etwa 35 Metern liegt.

Was ist für dich der perfekte Klippensprung?
Der wichtigste Teil ist die Landung, und deshalb muss ich immer nach etwas Weichem und Steilem suchen. Je steiler desto besser, weil es dann gar nicht so weich sein muss. Vor dem Klippensprung muss man etwas Fahrt aufnehmen, weil man dann besser abheben kann und in der Luft eine bessere Kontrolle hat. Idealerweise ist die Klippe etwas steiler als der Landebereich, aber nicht senkrecht. Wenn der Fels senkrecht abfällt, fällt man nach dem Abheben direkt nach unten, und wenn die Landung nicht bei fast 90 Grad liegt, wird es schwer, sie zu stehen.


Was waren deine größten Vorbilder beim Klippenspringen?
Über die Jahre habe ich zu so vielen Fahrern hochgeschaut, was das Klippenspringen betrifft. Es geht immer darum, sauber auf den Beinen zu landen und weiterzufahren – mit dem Hintern oder auf den Hüften zu landen ist „Old School“. Wenn du dir Skifilme aus den späten 1990ern und frühen 2000ern anschaust, weißt du, was ich meine. Jesper Rönnbäck, der schwedische Buckelpistenkönig, war besonders dabei, Landungen zu stehen. Dasselbe gilt für den Kanadier Hugo Harrisson. Auch Seth Morrison aus den USA und der Franzose Seb Michaud waren cool – beide konnten selbst die größten Flips gut stehen.

Was magst du besonders beim Klippenspringen?
Das Gefühl zu fliegen und die Hassliebe, die direkt vorm Springen auftritt – das packt mich jedes Mal aufs Neue. Ich spreche über die wirklich großen Sprünge, die ich gemacht habe: Das Gefühl beim Fallen ist magisch, doch die gewisse Unsicherheit bei der Landung sorgt dafür, dass die Nerven voll angespannt sind und man zu 100 Prozent präsent ist.

Musstest du deinen Stil verändern, als du anfingst, vor der Kamera zu arbeiten?
Ich habe schon mit 14 angefangen, für Foto- und Filmshootings zu arbeiten, und zum Glück hatte ich damals bereits einen Stil, der gut funktionierte. Mit den Jahren habe ich versucht, den Stil so zu verbessern, dass er die Punktrichter bei Wettbewerben genauso ansprach wie die Fotografen bei den Shootings. Doch bei Shootings kommt es generell vor allem darauf an, keine Fehler zu machen. Bei größeren Sprüngen möchte man vielleicht nicht immer Tricks machen, doch die Fans möchten so etwas sehen und deshalb muss man eben sein Herz in beide Hände nehmen und es machen.


Gibt es einen „schwedischen Stil“ beim Klippenspringen?
In Schweden haben wir so viele gute Fahrer, und das seit vielen Jahren. Unsere Stärken liegen bei den soliden Landungen und bei Landungstricks, was wohl daran liegt, dass wir so häufig auf hartem und vom Wind verwehtem Schnee fahren. Wir sind vielleicht nicht die verrücktesten Fahrer auf dem Planeten, doch wenn man sich die Ergebnisse bei den großen Wettkämpfen anschaut, sind wir immer überdurchschnittlich vertreten.

Um was geht es eigentlich bei der Gefahr von Bomb Holes?
Bomb Holes sind das Schlimmste, besonders bei Wettkämpfen. Sie entstehen, wenn es nicht so viele Felsen zur Auswahl gibt und die Fahrer immer über dieselben springen. Wenn einige nicht so gut landen können, kommen sie mit dem Hintern auf und erzeugen auf diese Weise größere Krater. In solchen Kratern möchte man nicht landen, das kannst du mir glauben!